Ein Eindruck vom Hip-Hop Camp in Heidelberg 2025

Von Carla Zech

Am 17. April im Karlstorbahnhof liegt etwas in der Luft. Die Flure sind voll mit Stimmen, der große Raum flimmert vor Erwartung. Kinder zwischen zehn und dreizehn laufen aufgeregt umher – manche in selbstgenähten Jacken, andere mit noch feuchten Graffiti-Spuren an den Händen. Hier die letzte Probe der Tanzchoreo, dort noch schnell ein Reim ergänzt. Nach vier Tagen Hip-Hop Camp steht die Abschluss-Jam bevor.

Ein Junge sitzt am Rand und zerknüllt nervös seinen Notizzettel. Ich frage ihn, was das ist. „Keine Ahnung. Vielleicht Rap. Vielleicht nur für mich.“ Dann schaut er auf die Bühne, wo gerade ein anderer seinen Text übt. „Aber hier trau ich mich eher, das zu zeigen, weil hier keiner auslacht.“

Die Jam beginnt mit einer Rap-Cypher – der Junge mit seinem zerknitterten Zettel steht vorm Mic und trägt mit bebender Stimme seinen Text über Superkräfte vor. Dann die Modenschau. „Die Ärmel sind von Papas alter Jacke!“, sagt ein Mädchen. „Jetzt passen sie zu mir!“  Es folgt der Tanz: konzentriert, kraftvoll. Zum Schluss präsentieren alle stolz ihre Graffiti-Bilder, halten sie hoch, applaudieren. Es ist berührend, wie sie sich gegenseitig anfeuern. Hier haben alle Platz – und das Gefühl, gemeint zu sein.

Das Camp war mehr als Freizeit. Unter der Anleitung von Anna, Toni, Melle und Bryan wurde nicht nur getanzt, gesprüht, geschrieben und genäht, sondern auch Haltung geübt. Was heißt Respekt? Wie klingt ein Text, wenn ich ihn wirklich meine? Was, wenn mein Name nicht mehr nur im Klassenbuch steht, sondern als gemaltes Tag auf bunter Pappe? Bei der Jam klatschte niemand aus Höflichkeit – sondern weil sich da gerade wirklich jemand zeigte.