Von Nina Gehr
Am 13. Februar 2025 fand im Museumsfoyer „Dürnitz“ des Landesmuseums Württemberg eine besondere Ausgabe des „Dürnitz Night Call“ statt. Inspiriert von der aktuellen Erlebnisausstellung „PROTEST!“ wurde in Kooperation mit dem Pop-Büro Region Stuttgart die Veranstaltung „Rap & Protest“ organisiert. Neben exklusiven Führungen durch die Ausstellung „PROTEST!“, die die historischen und kulturellen Hintergründe verschiedener Protestbewegungen beleuchteten, konnten Besucher*innen eine spannende Diskussion erleben. Der Abend ganz im Zeichen dieses Themas und bot ein facettenreiches Programm aus Diskurs, Musik und Kunst.
Den Auftakt des Abends bildete eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde zur politischen Bedeutung des Rap. Moderiert von HipHop-Pionier Toni-L (Advanced Chemistry) diskutierten Staatssekretär Arne Braun, Bryan Vit (Freies HipHop-Institut), Clara Wolfstieg und Lisa Vest, Organisatorinnen der HipHop-Reihe „Rapple Box“ für FLINTA*-Personen, sowie DJ Afropunk und DJ Stylewarz. Die Diskussion widmete sich Fragen wie der Nutzung von Rap als Protestmedium, globalen und deutschen Entwicklungen sowie Kontexten, in denen Rap selbst zum Gegenstand von Protest wird. Anschließend sorgte das DJ-Line-up für die passende musikalische Atmosphäre.
Zu Beginn der Veranstaltung gab Toni-L einen prägnanten Überblick über die Entstehung der HipHop-Kultur und ihre vier zentralen Elemente, um den Besucher*innen, die wenig Bezug zu HipHop haben, einen ersten Einblick zu vermitteln. Im Gespräch mit DJ Stylewarz wurde die Ursprüng der Kultur thematisiert. Beide sprachen über den engen Zusammenhang zwischen HipHop und Protest. In ihren frühen Texten (Advanced Chemistry/No Remorze) sprachen die Künstler Themen an, die zu dieser Zeit in der Gesellschaft nicht gehört oder ignoriert wurden. Diese Form des Widerstands und Ausdrucks war ein wesentlicher Bestandteil des frühen Rap.
Im weiteren Verlauf des Abend stellte sich jedoch die Frage, ob Arne Braun „Rap“ und „HipHop“ synonym verwendet. Er legte in einem Vergleich mit Rap (bzw. HipHop?) zu anderen Kunst- und Kulturformen wie der Oper dar, dass kulturelle Ausdrucksformen einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft ausüben können. Er plädierte dafür grundsätzlich Kultur im Grundgesetz zu verankern. Dennoch wies er auch auf die problematischen Seiten des Rap hin. Dabei wurde die verzerrte Darstellung von Rap durch die Medien nicht thematisiert. Denn nicht jeder Rapper sieht sich zwingend als Teil der HipHop-Kultur, sondern definiert Rap als ein eigenständiges musikalisches Genre.
In der Diskussion über die positiven Eigenschaften von HipHop ging es auch um die Empowerment-Funktion der Kultur. Leider wurden im Gespräch keine weiteren positiven Aspekte der Kultur vertieft.
Arne Braun sprach über seinen Zugang zu Rap, ließ jedoch durchblicken, dass ihm HipHop persönlich weniger wichtig sei. Dies führte zu einer weiteren Frage von Toni-L: Ist HipHop systemrelevant? Bryan Vit antwortete eindeutig mit „ja“ und betonte, dass HipHop als eigenes System betrachtet werden könne, das auch neue Räume für das übergeordnete gesellschaftliche System eröffnet. Eine spannende Frage, die sich im Verlauf der Veranstaltung ergab, war, ob und wie HipHop in der Schule stärker verankert werden sollte. Toni-L betonte dabei, dass HipHop den Schüler*innen die Möglichkeit gebe, ihren eigenen Ausdruck zu finden und Themen anzusprechen, die sie beschäftigen, im Gegensatz zum traditionellen Deutschunterricht, in dem Textproduktionen oft strengen Vorgaben folgen.
Ein weiteres Thema, das im Gespräch behandelt wurde, waren die Fördergelder für Kunst und Kultur. Clara Wolfstieg, Lisa Vest und DJ Afropunk berichteten von den Herausforderungen, nachhaltige Finanzierungen für Projekte zu sichern. Besonders die Kürzungen der Gelder erschwerten die Planung und Durchführung von kulturellen Veranstaltungen erheblich. Arne Braun widersprach jedoch vehement der Behauptung, dass in Baden-Württemberg Gelder für Kultur im Haushalt gestrichen worden seien.
Ein weiterer Aspekt der Veranstaltung war die Frage, wie die musikalische Auswahl für die DJ-Sets getroffen werden und welche Rolle die Texte dabei spielen. DJ Afropunk erklärte, dass bei der Auswahl seines Sets immer die Botschaft im Vordergrund stehe, die sie den Zuhörer*innen mitgeben wolle. Stylewarz ergänzte, dass seine Auswahl stark vom Kontext und dem jeweiligen Veranstaltungsort abhänge.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Abend interessante Einblicke in die HipHop-Kultur und ihre Entwicklung bot. Allerdings wurde der Aspekt des Protests im Rap nur an der Oberfläche angeschnitten. Es bleibt die Frage, wie genau im Rap protestiert wird und welche Veränderungen sich im Laufe der Zeit sowohl in den Texten als auch in den Sets, dem Style und den Orten etc. gezeigt haben. Gegen wen und was wird im Rap protestiert, und finden solche Auseinandersetzungen auch innerhalb der Kultur statt? Leider gab es am Ende der Diskussion keine Möglichkeit, diese Fragen aus dem Publikum weiter zu vertiefen. Abschließend lässt sich festhalten, der „Dürnitz Night Call“ zum Thema „Rap & Protest“ kombinierte Musik, Kultur und gesellschaftlichen Diskurs und bot den Besucher*innen eine Plattform, um sich mit der Protestkultur des HipHop auseinanderzusetzen.