Von Nina Gehr
Am 30. und 31. Januar 2025 fand an der Goethe-Universität Frankfurt die interdisziplinäre Tagung „BACK TO SCHOOL. Erziehungswissenschaft meets HipHop“ statt. Die Veranstaltung befasste sich mit den komplexen Wechselwirkungen zwischen Schule, Jugend und HipHop aus einer erziehungs- und bildungswissenschaftlichen Perspektive, wobei insbesondere Konfliktlinien wie Gender, Migration, Rassismus und Empowerment innerhalb der HipHop-Szene thematisiert wurden. Die Tagung stieß auf reges Interesse und zog 84 Teilnehmende an, darunter Wissenschaftler*innen, Pädagog*innen, Aktivist*innen und Studierende, die etwa ein Drittel der Teilnehmenden ausmachten.
Murat Güngör eröffnete die Veranstaltung mit dem Vortrag „Eine postmigrantische HipHop-Geschichte der Brüche und Kontinuitäten“, in dem er die Entwicklung von HipHop in Deutschland aus einer migrantischen Perspektive analysierte. Er zeigte auf, wie HipHop von einem Ausdrucksmittel marginalisierter Gruppen zu einem kommerziellen Massenphänomen wurde und beleuchtete die Spannungen zwischen der subkulturellen Bedeutung und der heutigen Kommerzialisierung des Genres. Nach einer bewegten Pause mit Gallery Walk, in der Studierende ihre Arbeiten auf Postern präsentierten, folgte der Vortrag von Martin Seeliger. Seeliger kritisierte in seinem freien Vortrag, dass die HipHop-Studies oft einseitig ausgerichtet sind, indem sie nur untersuchen, wie HipHop bestimmte gesellschaftliche Phänomene widerspiegelt oder beeinflusst. Zum Beispiel wird häufig gefragt: „Was sagt HipHop über soziale Ungleichheit, Rassismus oder Männlichkeitsbilder aus?“ Er merkte jedoch an, dass dabei oft die Frage unbeachtet bleibt, wie gesellschaftliche Strukturen und Werte HipHop selbst prägen. Er forderte eine erweiterte Perspektive, die untersucht, wie diese gesellschaftlichen Themen HipHop beeinflussen. Am Nachmittag fand eine Podiumsdiskussion statt, bei der Sookee, Murat Güngör und Martin Seeliger die Themen Kommerzialisierung, Widerstand und die Nutzung von HipHop in Bildungsinstitutionen diskutierten. … Der erste Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen im Metropol, das den Teilnehmenden Raum für informellen Austausch und Vernetzung bot.
Am 31. Januar begann der Tag mit dem Vortrag von Yağmur Mengilli zu „Ballroom & Hall of Fame – Graffiti und Tanz zwischen jugendkulturellem Widerstand, Safe(r) Space und Competition“. Mengilli erläuterte, wie Graffiti und Tanz als Ausdrucksformen von Empowerment und Widerstand fungieren und gleichzeitig als Safe Spaces für marginalisierte Gruppen sowie als Plattformen für kreative Wettbewerbe dienen. Es folgte der Vortrag von Julia Rieger mit dem Titel „Wir sind aber keine Gangster – Rapbezogene Wirkungszuschreibungen zwischen Etikettierung und Stilisierung“. Sie beleuchtete, wie Jugendliche sich von negativen Klischees und Etiketten des Genres distanzieren oder diese bewusst für ihre Identitätsbildung nutzen. Rieger zeigte, wie HipHop sowohl Selbstermächtigung als auch Stigmatisierung bedeuten kann, abhängig vom sozialen Kontext. Den Abschlussvortrag hielt Michael Rappe zu „Der Archipel als Metapher für das Schaffen kollektiven Wissens im Breaking“. Rappe zeigte auf, wie sich Wissen innerhalb der Breaking-Community kollektiv bildet und vermittelt ein Prozess, den er als Netzwerk aus miteinander verbundenen Inseln metaphorisch beschrieb. Er verband theoretisch wie auch methodisch Überlegungen von Édouard Glissant und Gilles Deleuze.
Die Tagung bot eine wertvolle Plattform … für den Austausch von Perspektiven aus Wissenschaft, Praxis und Aktivismus und verdeutlichte, dass die Auseinandersetzung mit HipHop in Bildung und Gesellschaft weiterhin ein wichtiger und fortwährender Prozess ist.
Katharina Gehr (Ludwigsburg)